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Brunfels, Herbarum vivae eicones
Brunfels, Otto,
Herbarum vivae eicones ad naturae imitationem, summa cum diligentia et artificio effigiatae, una cum effectibus earundem.– Novi herbarii tomus II.– Tomus herbarii Othonis Brunfelsii III.
verkauft
„The first book of modern botanical illustration“ (Horblit).– Alle drei Bände in erster Ausgabe, eine Seltenheit ersten Ranges.– Otto Brunfels (ca. 1489-1534), chronologisch der erste der „Väter der Botanik“ (Brunfels, Bock und Fuchs), eröffnete mit diesem Werk die Epoche der modernen Botanik und deren Buchillustration. Zum ersten Male überhaupt kamen Abbildungen der Pflanzen nach lebenden Exemplaren zur Veröffentlichung. Die Vorlagen für die Holzschnitte schuf der Dürer Schüler Hans Weiditz. Zwischen seinen naturgetreuen Auffassungen der Pflanzen und den vorhergehenden Darstellungen im „Hortus Sanitatis“ liegen Welten. So ist diesem Werk in der Literatur zur Geschichte der botanischen Buchillustration auch nur das höchste Lob zuteil geworden: „Brunfels was the first great mind in modern botany…(he) demanded that his plants be drawn from life, and through Weiditz’ skill, openend up new horizons for future scientists.“ (Hunt). „Weiditz was a brilliant and original artist, who set new standarts of truth and beauty for the printed herbal…We are reminded at once of Dürer“ (Blunt, Art of bot. ill., S. 45-48).– „Weiditz schuf nicht nur künstlerisch überragend schöne Abbildungen, der fast übersteigerte Naturalismus stellte zu dieser Zeit ein absolutes Novum dar“ (Heilmann).– Nicht nur die Abbildungen waren revolutionär, Brunfels’s Kräuterbuch ist auch das erste, welche Pflanzen nicht mehr alphabetisch, sondern nach Familien ordnete und darüber hinaus zwischen männlichen und weiblichen Exemplaren unterschied. Brunfels ist damit der erste, „der Anspruch auf den Namen eines Botanikers erheben darf.“ (Schreiber).– Im Appendix Bd. II finden sich Beiträge verschiedener Autoren, darunter auch die ersten Veröffentlichungen zur Botanik von Leonhard Fuchs und Hieronymus Bock. Band III erschien posthum, die Holzschnitte dort wurden von verschiedenen Künstlern geschaffen.
Zur Seltenheit: vorliegendes Exemplar entstammt dem deutschen Auktionsmarkt des Jahres 2000, seitdem in Privatbesitz. Ich habe in den letzten 35 Jahren ein einziges anderes Exemplar aller drei Bände in Erstausgabe gehandelt bzw. gesehen, nämlich 1992 ein Exemplar in drei Pappbänden des 19. Jahrhunderts. Diesem fehlte ein Blatt aus Band 1.
Zwei weitere international gehandelte Exemplar der jüngeren Vergangenheit kann ich nachweisen:
1.) „Books from the Royal Society of Medicine“, London, Christie’s, 10.12.2025, lot 140, Zuschlag 76.200.– Pfund (€ 87.500.–). Provenienz: A. Cesalpinus. In drei Pergamentbänden des 19. Jahrhunderts, Band 1 wurde am Beginn des 17. Jahrhunderts separat zu Band 2 und 3 hinzugefügt.
2. „Haskell F. Norman Library of Science and Medicine“, part one, 18.03.1998, lot 48: Bände 1 und 2 ohne Band 3 (!), gebunden in Leder des 17. Jahrhunderts. Zuschlag USD: 46.000.–
Alle drei anderen Exemplare verfügten nicht über die hier beigebundene Tabelle „Schema pharmacorum vulgarium“, die offensichtlich auch den meisten Bibliographien unbekannt geblieben ist.–
Das vorliegende Exemplar ist das einzige im zeitgenössichen Einband und auch von der Erhaltung das beste der hier erwähnten Exemplare. Von sehr guter Gesamterhaltung und mit folgenden geringfügigen Gebrauchspuren: Schließbänder, hinterer Spiegel und Vorsatz erneuert, vorderer Spiegel, Vorsatz, Titelblatt und die letzten beiden Blätter mit Papierhinterlegungen (letztere mit Buchstabenverlust), hs. Besitzvermerke auf Titel, S. 25, 39 und 138 mit hs. Marginalien, S. 259 Teil 1 mit sehr kleinem Eckausschnitt (kein Text- oder Abbildungsverlust), Teil 3 gegen Ende leicht wasserfleckig.–
Horblit 33a. Hunt 30. Stafleu-C. 852-54. Nissen BBI 257 Ia, IIa, III. Schreiber XXX. Blunt, Art of bot. ill., S. 45-48. Heilmann 184.
- Bestellnummer: 2334AB
- Kategorie: Highlights, Archiv
- Schlagwörter: Botanik Botany · Heilpflanzen Medical plants · Kräuterbücher Herbals · Pharmazie Pharmacy · Renaissance Renaissance
- Sprache: Lateinisch